Über 18

Dieses Foto ist Ende 1967 aufgenommen worden, im Herbst. Ich war damals verdammt stolz auf meinen Lodenhut, was vermutlich daran lag, dass ich sechs Jahre zuvor in München geboren wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten meine Eltern mich jedoch bereits nach Hamburg verschleppt, genauer gesagt, in den nördlichen Speckgürtel der Hansestadt, nach Großhansdorf, wo ich eine zumeist sorgenfreie und angenehme Kindheit und Jugend verleben durfte.

Irgendwann später bin ich dann Journalist geworden. Ich hätte natürlich auch…

Aber die Henri-Nannen-Schule hatte mich, den Studienabbrecher, erstaunlicherweise angenommen. Danach, 1985, wurde ich sofort stellvertretender Sportchef bei RTLplus in Luxemburg, was jedoch eher daran lag, dass die Sportredaktion sich lediglich aus zwei Mitarbeitern zusammensetzte. Aus Uli Potofski und mir. Gegen Ende der ersten Halbzeit des Lokalderbys zwischen Austria Wien und Rapid Wien, das von RTLplus – aus welchen Gründen auch immer, aber wir hatten ja nichts – übertragen wurde, stellte sich heraus, dass ich als Kommentator bis dahin konsequent beide Mannschaften verwechselt hatte. Zum Glück stand es noch 0:0, aber von da an fokussierte ich mich lieber auf Tennis, denn da stehen ja höchstens vier Menschen auf einem Spielfeld. So konnte ich dann Boris Becker 1986 in Wimbledon gewinnen sehen, in drei Sätzen gegen Ivan Lendl. Mein damaliger Live-Kommentar orientierte sich überwiegend an den Worten von Ernst Huberty, einem der ganz großen Sportreporter jener Zeit – die Techniker von der BBC hatten mir netterweise seine Worte aufs Ohr gelegt. Auf diese Weise lernte ich, dass gute Sportkommentatoren am besten die Klappe halten.

1987 vertraute RTL mir den Aufbau des ersten regionalen TV-Magazins eines privaten Senders an, das terrestrisch ausgestrahlt wurde, also „über Antenne“ (die älteren unter Ihnen werden sich sicherlich erinnern). Diese Sendung hieß „Hamburg Schlag 6“; meine geschätzte Kollegin Barbara Eligmann und ich bildeten gemeinsam so etwas wie ein Traumpaar vor der Studiokamera – wenn Sie vielleicht mal in die Premierensendung hineinschauen wollen?

Barbara beerbte mich knapp eineinhalb Jahr später, als ich vom damaligen RTL-Chefredakteur Dieter Lesche in dieselbe Funktion (oder Position) nach SAT.1 zum Pendant „Wir im Norden“ gewechselt wurde. So kann man das wohl sagen. Lesche schrieb übrigens 1996 ein Buch mit dem bezeichnenden Titel „Glanzvolle Versager“ über das ruinöse Verhalten von TV-Managern, von der viele zuerst dachten, es handele sich dabei um eine Autobiografie.

Zwischen 1991 und 1992 gab ich dann ein kurzes Gastspiel bei der Zeitschrift „Tempo“, bevor Ulrich Meyer den bezaubernden Einfall hatte, mich zum Redaktionsleiter seines SAT.1 – Quotenburners „Einspruch“ zu berufen. Die Sendung wurde ein gutes Jahr später eingestellt, aber ich schwöre: Das lag ausnahmsweise nicht an mir (und an Ulrich sowieso nicht), sondern an…

1995 machte ich mich schließlich selbstständig und verlegte mich zunehmend aufs Schreiben, eine Tätigkeit, bei der man den lieben langen Tag (und so manche Nacht) sitzt. 2005 knackte ich daher die 110 kg-Marke. Und als ich damals geschockt auf der Waage stand, fiel mir plötzlich meine Begeisterung fürs Tennisspielen wieder ein. Es folgte der spontane Eintritt in den Sieker Tennisclub, dem zu jener Zeit zufälligerweise der Wirt fürs Vereinsheim abgesprungen war. Meine Erinnerungen an jene Zeit sind zwar verschwommen, aber ich glaube, es war wohl ein akuter Anfall von Eskapismus, der mich dazu verleitete, die kommenden Jahre lang als Buch- und Film-schreibender Vereinswirt und Koch zu arbeiten („Zwei Journalisten gehen an einer Kneipe vorbei…“ – Haha!), bevor ich mich im Januar 2010 von der Teilzeitstelle am Herd und hinter dem Tresen selbst erlöste und zurück zu den Wurzeln meines ursprünglich erlernten Berufs fand – beim „Hamburger Abendblatt“ , als freier Autor.

Wenn Sie diesen Abendblatt-Link angeklickt haben sollten, dann haben Sie vermutlich erkannt, dass ich wieder häufiger sitze. Das wiederum liegt daran, dass ich inzwischen auch für zahlreiche weitere, wunderbare, große und „kleinere“ Kunden arbeiten darf, wie zum Beispiel für Marion Ballier, das Hotel Genueser Schiff & Landhaus Auto Wichert oder die Hammer Weine, eine ganz besonders hübsche Tankstelle auf meinem Kiez.

In meinem Traumberuf, als Schreiber.